Yoga und Sanftheit

Ich unterrichte sanftes Yoga. Was bedeutet das eigentlich ? Warum habe ich einen Schwerpunkt auf „Sanftheit“ gelegt?

In meiner nun tatsächlich schon 16-jährigen 🙂 Erfahrung im Yogaunterrichten habe ich einen eigenen Entwicklungsweg durchlaufen und habe viel beobachtet, ausprobiert und verändert. Gestartet habe ich mit klassischem Hatha-Yogaunterricht, wie ich es in meiner Ausbildungsschule gelernt habe. Aber schon in der Ausbildung war einiges für mich nicht nachvollziehbar, was sich dann auch im Unterricht nicht rund anfühlte.

Ich weiß nicht warum, aber es kamen u.a.  schon immer Menschen zu mir, die nicht so sportlich waren oder Schmerzen hatten und dies auch benannt haben. Ich habe schnell gemerkt, dass ich diese Menschen mit den klassischen Hatha-Yogahaltungen überforderte, sie sich in den Haltungen zusätzlich verspannten. Auch bei wiederholtem Üben wurde das nicht besser. Sie entwickelten kein Gefühl für die Position, sondern zwangen sich hinein, mit dem Glauben, das müsse ja gut sein, da es im Yoga so gelehrt werde.  Sie stellten den Glauben höher als ihr eigenes Körperempfinden und bezahlten das immer wieder mit Schmerzen.

Ich habe festgestellt, dass viele der Übungen wenig positive Effekte auf meine TeilnehmerInnen hatten und kam zu dem Schluss, dass sie zum bewussten Wahrnehmen viel einfachere Übungen brauchten. So begann ich die Yogahaltungen in Vorstufen zu zerlegen und kleinschrittig zu üben. Schließlich verbannte ich die ein oder andere Yogahaltung komplett aus meinem Repertoire und beschränkte mich auf die vereinfachten Übungen, welche sich als deutlich effektiver erwiesen. Die Ganzheitlichkeit, die  für mich Yoga ausmacht und über „Gymnastik oder Körperübungen“ hinausgeht, kann ich auch in den vereinfachten Übungen erfahrbar machen, dafür braucht es die klassichen Haltungen nicht.

Weiter beobachtete ich bei TeilnehmerInnen die Bewegungseinschränkungen hatten, dass sie oft versuchten, die eingeschränkten Körperpartien zu zwingen, ihnen mit Wut, Ungeduld und Hilflosigkeit begegneten und nicht akzeptieren wollten, dass sie ihre Funktionsfähigkeit (übergangsweise) verloren hatten.  Sie wollten diese Störfaktoren einfach nur „weghaben“ und hatten keinerlei Offenheit sie neugierig zu erforschen oder den Stellen liebevoll und sanft zu begegnen.

Dabei stellte sich gerade das sanfte Üben, verbunden mit tiefer Atemarbeit, als hilfreich heraus. Es geht darum den Körper, die Muskulatur sanft und liebevoll einzuladen loszulassen, anstatt einfach mit Kraft gegen Widerstände zu dehnen. Loslassen ist das Schlüsselwort. In die  Dehnung hinein loslassen, entspannen, darum geht es im sanften Yoga – mit Ruhe und Geduld. Letztendlich ist das sogar ein klassiches Yogaprinzip, dem aber, meiner Meinung nach, in vielen Yogakursen zu wenig oder nur oberflächlich Beachtung geschenkt wird.

Dazu bedarf es nämlich eines Umdenkens von uns – durch die Leistungsgesellschaft geprägten – Menschen. Wir sind es gewohnt Erfolge durch Anstrengung zu erzielen. Dass eine Methode, die das Gegenteil von uns verlangt, nämlich „Nichtstun“ (Loslassen), wirksam sein kann, braucht Überzeugungsarbeit. Zumal die Wirkung nicht für jede/n sofort spürbar ist, da bei vielen Menschen die notwendige Form von Selbstwahrnehmung vernachlässigt wurde und erst wieder gefördert werden muss.

Letztlich muss ich meinen TeilnehmerInnen, die mit Schmerzen und starken Verspannungen in meine Kurse kamen, von Herzen danken. Durch sie und mit ihnen habe ich den Weg zum sanften Yoga gefunden, der auch mir selbst viel mehr entspricht und in mir tiefer und nachhaltiger wirkt.

Danke für euer Vertrauen und eure Offenheit!

IST DAS SANFTE YOGA FÜR JEDE/N GEEIGNET?

Für mich gibt es gar keine Übungsweise, die für jede/n zu jeder Zeit hilfreich ist.  Aber ich halte das sanfte Yoga für ausprobierenswert. Voraussetzung ist, dass man offen ist neue Wege auszuprobieren und sich auf eine vertiefte Selbstwahrnehmug einlassen möchte.

DIE RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN? 

Es könnte passieren, dass man sich selbst besser kennenlernt und klarer wahrnimmt, was gut tut und was nicht. Im schlimmsten Falle lernt man sich zu entspannen oder noch schlimmer – einfach zu Sein  😉

 

 

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