Yoga-Philosophie

Der Mensch der zivilisierten Gesellschaft braucht für alles Erklärungsmodelle und sucht ständig nach Möglichkeiten der Kontrolle und Ausrichtung. Das ist die Zugkraft jeder Religion, Lebensphilosphie und Wissenschaft. So begannen auch die ersten Yogis das Leben und die Menschen zu beobachten,  eingebunden in  den vorhandenen Götterglauben. Über die Jahrhunderte entwickelten sie Theorien, aus denen sich die bis heute bestehende Yogaphilosophie zusammen setzt.Gleich Wissenschaftlern begannen die Yogis das menchliche Verhalten zu untersuchen, zu zerlegen, Zusammenhänge zu erforschen und entwickelten eine Fachsprache für jedes Phänomen, das sie entdeckten. Sie waren auf der Suche nach Erlösung aus diesem unberechenbaren und auch oft grausamen menschlichen Sein. Strebten das Göttliche an, was sie gleich setzten mit dem Alleinssein, dem Ende der Dualität. Letztendlich dem Ausstieg aus der Wiedergeburt. Suchten nach Wegen, wie sie dieses Ziel erreichen können und entdeckten verschiedene Komponenten, die sich als hilfreich herausstellten.

Während früher sehr grenzwertige Methoden der Körperreinigung,   akrobatischer Haltungen und der Atem- und Energielenkung praktiziert wurden und es primär darum ging Geist und Körper zu bezwingen, um die Energien gezielt lenken zu können hin zum Göttlichen, wandelten sich die Yogastile  über die Zeit und passten sich der Umgebung in der sie gelehrt wurden an.

Heute ist der Yogaweg nach wie vor ein religiöser, der sich aus verschiedenen Komponenten zusammen setzt.

  • Äußere Disziplin
  • Innere Disziplin
  • Körperhaltungn
  • Atemregelung
  • Zurückziehen der Sinne
  • Konzentration
  • Meditation
  • Versenkung

Aber die Auslegung und gelehrten Methoden zu diesen Komponenten unterscheiden sich von Stil zu Stil stark.

Kommen wir hier nach Deutschland, in dem Yoga z.Z. boumt. Hier werden oft kleinste Elemente, die zu unserer Mentalität passen, isoliert gelehrt. Es entstehen eine Menge neue westliche Richtungen, die mit dem ursprünglichen Yoga fast nur noch den Namen gemein haben. Und selbst wenn die westlichen Menschen versuchen in die Yogaphilosophie einzutauchen, nutzen sie oft nur Übersetzungen von Übersetzungen von Übersetzungen. Wir kennen alle das Phänomen der „Stillen Post“. 😉

Vieles ist nicht zu verstehen, sondern nur zu interpretieren und wir lernen oft schon die Interpretationen anderer. Um verstehen zu lernen, was in den Upanishaden oder der Bhagavad-Gita, den noch heute grundlegenden religiösen Schriften (1500-100 v.Chr.) steht, bräuchte es ein lebenslanges Studium. Sehr wahrscheinlich würde auch das nicht reichen, da die Religion von Auslegungen lebt und allein die Übersetzung den Inhalt schon stark verzerren kann.

So gesehen gibt der Yogaweg uns nur Anregungen.

Ich persönlich habe es gerne einfach. Mir sind religiöse Texte oft zu fremd und unverständlich, so dass ich gar keine Lust habe, sie zu lesen. Letztlich habe auch ich nur die von Deutschen aufbereitete Literatur über Yoga gelesen und mir daraus das herausgenommen, was ich für sinnvoll und nachvollziehbar halte.

Viele der Yogahaltungen, die auch heute hier im Westen gelehrt werden, halte ich nicht für sinnvoll, da sie einfach zu akrobatisch sind. Auch lehne ich die massiven Atemtechniken und Energielenkungen oder die Lehrerverehrung ab.

Was ich als bereichernd empfinde ist das bewusste Atmen.  Zum einen hilft es zu entspannen und zum anderen verlangsamt es die Übungen und hilft sie konzentrierter zu üben. Natürlich versorgen wir auf diese Weise auch unseren Körper besser mit Sauerstoff und yogisch gesprochen, mit Lebensenergie.

Während die Yogahaltungen ursprünglich dazu gedacht waren, den Körper für die Meditation zu kräftigen, vorzubereiten, nutze ich diese um die Selbstwahrnehmung zu fördern. Durch unseren seltsamen Lebensstil leiden viele Menschen unter Bewegungseinschränkungen, Anspannung und Schmerzen. Ich nutze die Kombination aus sanften Übungen und Atmung um „neue Freiräume“ im Körper zu schaffen und zur Entspannung. Etwas anspruchsvollere Übungen nutze ich, um Stabilität und Kraft im Körper zu fördern.

Naja, wenn man das genau betrachtet, ist das auch eine Vorbereitung für die Meditation, denn wenn man sich des eigenen Körpers, seiner momentanen Einschränkungen und Bedürfnisse bewusst ist, kann man auch eine gute Position für die Meditation finden, um sich in diese wirklich entspannen zu können.

Die Meditation ist für mich ein weiterer Schritt. Während wir im Yoga den eigenen Körper und die eigenen Verhaltensgewohnheiten kennen lernen, dient die Meditation, in meinem Sinne, dazu,  die eigenen Gedanken und Gefühle zu beobachten. Sozusagen auf eine Metaebene zu finden, von der aus man sich zunehmend klarer beobachten kann.

Suche ich auch den Weg ins Alleinssein, die Versenkung, wie sie bei den oben benannten Yoga-Komponenten genannt wird? Nein. Ich mag es Mensch zu sein mit all den Herausforderungen, die dazu gehören. Aber ich liebe es herauszufinden, was möglich ist und habe festgestellt, dass mehr Körperbewusstsein zu mehr Bewegungsfreiheit führt und dass die Loslösung von den eigenen Gedanken und Gefühlen sehr befreiend sein kann. Dazu führt, die Welt immer wieder neu betrachten zu können und natürlich auch das eigene Verhalten.

Letztendlich wird unser Verhalten und unsere Wahrnehmung sehr stark von unserer inneren Einstellung gelenkt. Und genaues Hinschauen – egal ob über den Weg des Yoga oder auf eine andere Weise – ist sehr hilfreich, da es neue Möglichkeiten öffnet.

Ein Beispiel:

Ich bin immer Winter auf dem Fahrradweg nach Idstein gelaufen. Es hatte ordentlich geschneit und der Boden unter dem Schnee war gefroren. So stapfte ich durch den Schnee und stellte fest, wie anstregend das doch ist. Erforderte eine ganz andere Art von Aufmerksamkeit, als wenn ich einfach auf trockenem Teer gelaufen wäre. Heldenhaft kämpfte ich mich vorwärts, an einem Auto vorbei, dass in den Graben gerutscht war. Der Fahrer telefonierte mit dem Handy – also alles soweit versorgt. Ich stapfte weiter. Und auf einmal hörte ich Schritte hinter mir und schwups zog der Autofahrer mit leichtem Schritte an mir vorbei, als ob kein Schnee da wäre. Ich guckt ihm staunend hinterher.

Wieso kann der das? Wenn der das kann, kann ich das auch! Und mit dem Wissen, dass es geht, begann ich  loszulaufen.  Leichten Schrittes und mit einem staunenden Lächeln auf dem Gesicht.

Es war mein Kopf gewesen, meine Einstellung und nicht die Gegebenheiten, die mich den Weg als anstrengend hatte wahrnehmen lassen.

So machen wir uns  das Leben oft schwer.

Also, lasst uns liebevoll und mit einem Schmunzeln erforschen, wo wir uns selbst im Weg stehen und es uns leichter machen können.

Meine Lebensphilosophie ist die Einfachheit.

 

 

 

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