Leistungsdenken und Yoga

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und das spiegelt sich auch oft in meinen Yogakursen wieder. So nehme ich immer wieder wahr, wie TeilnehmerInnen in den Vergleich gehen, gut sein wollen, frustriert sind, wenn die Übungen bei ihnen nicht so funktionieren, wie bei den anderen.

Ein Begleitphänomen ist, dass manch Eine/r, die eigenen  Körpergrenzen ignorierend, versucht doch in die Haltung zu kommen.

Es spricht nichts gegen Neugier und Ausprobieren. Es spricht auch nichts dagegen, an die eigenen Grenzen und sanft darüber zu gehen. Aber wenn man aus blinder Leistungsorientierung dem eigenem Körper schadet, und sei es nur minimal, ist man zu weit gegangen.

Ich versuche bewusst die in vielen angelegte Leistungsorientierung zu unterlaufen. Die TeilnehmerInnen immer wieder ins Jetzt zu holen. Sie einzuladen, die momentane körperliche Verfassung anzunehmen und von ihr aus bewusst zu forschen, was dem Körper heute, hier gut tut. Herauszufinden, was ihn unterstützt, was ihn im Moment überfordert und zu Verspannung führt. Und natürlich bei sich zu bleiben, nicht in den Vergleich zu gehen – auch nicht in den Vergleich mit sich selbst. „Früher konnte ich das viel besser“

Vegleiche helfen so nicht.

Dennoch ist der Wunsch, wieder beweglicher zu werden, ganz in meinem Sinne. Dazu braucht es ein bewusstes, achtsames Vorgehen. Ein Dranbleiben und Überdenken der eigenen (Bewegungs)Gewohnheiten, die in die Einschränkung geführt haben. Je mehr Bewusstsein wir für unseren Körper, unsere Denkstrukturen und unserer Gewohnheiten entwickeln, desto leichter können wir neue Wege finden, um wieder mehr Bewegungsfreiheit- sowohl geistige, als auch körperliche- zu erlangen.

Eine weitere Auswirkung der Leistungsgesellschaft finde ich in den Menschen, die die Leistung scheuen und gar nicht erst an ihre Grenzen gehen, aus Angst oder mit der festen Überzeugung, dass sie es eh nicht können. Vermeidungsverhalten führt zu unnötigen Einschränkungen. Diese Menschen möchte ich ermutigen.

Die durch unsere Leistungsgesellschaft geprägten Einstellungen („Ich muss“, „Ich will aber“ und „Ich kann eh nicht“) stehen meinen YogateilnehmerInnen oft im Weg.  Sie kämpfen mit ihren inneren Bewertungen, die aus dem Vergleichen resultieren.

Mein Credo – hört auf euch zu vergleichen, bleibt bei euch und fangt an wieder spielerisch nach Möglichkeiten zu forschen. Lasst verfestigte Vorstellungen, von euch oder wie etwas zu sein hat, los und schaut die Welt wieder kindlich staunend an. Als einen Ort voller Möglichkeiten.

Wie lernen Kinder? Durch ausprobieren und nachmachen. Abgucken und fragen ist erlaubt. Aber negativer Vergleich – führt auch bei Kindern zu Frustration und Reibung.

 

 

 

 

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