Gesundheits-Messe?

Am Wochenende habe ich die Paracelsius-Messe in Wallau besucht und einige interessante Beobachtung gemacht.

Mich in und mit  mir sehr wohlfühlend und mit großer Offenheit betrat ich die Messe. Ich schlenderte von Stand zu Stand, hörte mir verschiedene Informationen an, führte vereinzelt Gespräche und fühlte ich mich nach und nach immer „kränker“. Fast allen Anbietern gemein war, dass sie klar und teilweise mit Vehemenz sämtliche Störfaktoren benannten, die ihrer Meinung nach unser Leben negativ beeinflussen würden. Allein aufgrund der Wucht der Informationen wurde mir schon ganz schlecht.

Wenn ich diese Informationen alle ernst nehmen würde, würde ich bald am Leben verzweifelen, da bin ich mir sicher. Denn ich hätte weder genügend Zeit noch genügend Geld all dem entgegen wirken zu können.

Natürlich hatten alle Mittel und Wege im Angebot, um mir zu helfen…

Gerade hatte ich mich auf ein Schüttelgerät gestellt, dass mich wieder aufrichten sollte und lief leicht verwirrt über die Messe – schon innerlich komplett dicht machend – da kam ich an einen Klang-Liegen Stand.

Da saß ein netter Mensch, der fragte, ob ich mal den Klang spüren wolle. Ich sagte, dass ich gerade schon durchgeschüttelt worden sei und es mir im Moment alles zu viel sei. Er lächelte mich an und sagte: „Probiers mal, es ist ein Geschenk, leg einfach mal deine Hand drauf.“

Tat ich … und es war ein Wohlgenuss. Der Klang holte mich in dem Moment wieder ganz zu mir und raus aus der ganzen „Störfaktor-Energie“.  Der nette Mensch lächelte nur, sagte ich könne gerne wieder kommen und versuchte erst gar kein Gespräch. Sein Tun hatte überzeugt.

Daraufhin lief ich nochmal mit anderen Augen über die Messe. Ja, die meisten wollten hier etwas von mir. Wollten überzeugen und verkaufen. Eigentlich klar bei Messen. Und doch irgendwie seltsam bei einer Gesundheitsmesse.

Es sind natürlich dieselben Vermarktungsstrategien am Werk, wie bei jedem Verkauf. Man muss den potentiellen Käufer überzeugen, dass er das Produkt braucht. Also muss man ihm aufzeigen, wie schwer das Leben ohne  ist und wie erleichternd und vereinfachend mit. Auf der Gesundheitmesse wird teilweise damit gespielt, wie gesundheitsgefährdend man lebt, ohne das Produkt. Psychologisch sehr grenzwertig, finde ich.

Ein guter Verkäufer dreht einem vollkommenen Mist an, mit dem Gefühl dass man einen Schatz ergattert hat. Die ganze Gesundheitsindustrie ernährt sich gut dadurch, den Menschen zu suggerieren, dass sie in einem Mangelzustand leben, den sie auszugleichen vermag.

Menschen, die vollkommen zufrieden sind, wird z.B. anhand einer Kurzanalyse bewiesen, dass sie bei irgendwas nicht im Normbereich sind, also „krank“ sind und auf einmal fühlen sie sich „krank“ oder zumindest verunsichert, während es ihnen vorher einfach gut ging. Aber zu ihrer Beruhigung kann ihnen ja geholfen werden, denn der Anbieter hat ja die Lösung für ihr Problem. Wie erleichternd oder?

Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass hier zum einen ganz simple Verkaufsstrategien am Werk sind und zum anderen mit dem Wunsch nach und der Vorstellung von der perfekten Gesundheit gearbeitet wird. Die gibt es meiner Meinung nach gar nicht.

Für mich ist das Leben Wandel.  Jeder Wandel führt aus einem Gleichgewicht in eine Übergangsverunsicherung, ein Ungleichgewicht und wieder in ein neues Gleichgewicht.   Das geschieht sowohl auf körperlicher, als auch auf geistiger Ebene.

Ich glaube, dass  Körper und  Geist das Ungleichgewicht, auch in Form von gesellschaftlich bezeichneter Krankheit, sogar brauchen und selbst regulieren können. Ich glaube, dass unser Gesundheitssystem in viele körpereigene Prozesse eingreift, die sich ganz von alleine regulieren würden. Die Gesundheitsindustrie suggeriert uns Sicherheit und führt gleichzeitig in eine immer größere Abhängigkeit. Ich finde es lohnt sich, da mal genauer hinzuschauen!!!

Es gab aber auch Stände, wie den Klang-Liegen Stand, die wirklich zum Wohlgefühl beigetragen haben. Dort konnte ich Lebensqualität spüren und nicht Mangeldenken.  Leider aber auch nur solange ich einfach die Töne genießen durfte.  Als ich später nochmal zu dem Stand ging und mit dem „Chef“ ins Gespräch kam, ging es dann schonwieder um mögliche Themen, die mit den Klängen zu bearbeiten seien.

Ergo – für mich war das eine Krankheitsmesse, gedacht für Menschen, die sich krank fühlen oder Angst vor Krankheit haben und Hilfe suchen.

Naja, wenn ich den Gedanken zu Ende denke … auf einer Messe, auf der man einfach nur Wohlgefühl erfahren würde, würde wahrscheinlich auch nicht viel verkauft werden. Dann braucht es ja nichts. Ohne Mangelgefühl würden wir uns am Ende glücklich fühlen, auch wenn unser Körper oder Geist laut messbaren Parametern krank wäre.

Wie schrecklich für die ganze Gesundheitsindustrie!

 

Ein Gedanke zu „Gesundheits-Messe?“

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