Die dritte Seite

„Alles hat zwei Seiten, mich interessiert die dritte“

… ist eine meiner Devisen. Raus aus dem Schwarz-Weiß-Denken, rein in die bunte Vielfalt des Lebens.

Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen ihr Leben gleich einem Schachspiel sehen – auch schwarz-weiß 😉 . Sie denken, sie haben nur begrenzte Möglichkeiten (Schachbrett + Figuren) samt Regeln, die von der Gesellschaft diktiert werden und fühlen sich den Zügen des Gegners teilweise hilflos ausgeliefert oder überfordert von dem ganzen „scheinbaren Kampf“.Wie wäre es, das Schachbrett einfach zu verlassen – sprich aus den gewohnten Verhaltensmustern auszusteigen? Wie wäre es, mal einen Blick von Aussen darauf zu werfen? Dann kannst du das Schachspiel vielleicht mit ganz anderen Augen betrachten und dich frei entscheiden, ob du das Spiel mit neuer Perspektive weiterspielen möchtest oder beginnst dir ein eigenes Spiel zu kreieren. Denn meiner Meinung nach besteht das Leben aus einer Fülle von Möglichkeiten, es lädt geradezu ein zum Spielen. Spielen kann am besten, wer die Neugier und Risikobereitschaft eines Kindes hat, wer Schmerz und Leid genauso akzeptiert, wie Freude und Glück und ein tiefes Vertrauen ins Leben hat.

Oft bekomme ich zu hören, dass man durch seine Erfahrungen geprägt sei und von den eigenen Mustern dominiert – quasi keine Chance hat, sich frei zu bewegen. Ich teile diese Meinung nicht. Ja, jeder von uns ist begrenzt, aber innerhalb dieser Grenzen haben wir einen Spielraum. Ja, Erfahrungen haben Auswirkungen, aber wir bestimmen, wie wir damit umgehen. Ja, manches Verhaltensmuster verselbstständigt sich, aber wir können beobachten, was passiert und lernen, dass wir dabei nur Schlaufen drehen, die vielleicht unangenehm sind, aber endlich. Wenn wir das akzeptieren, können wir einfach dazu stehen.

Was uns wirklich im Weg steht, sind meiner Meinung nach unsere Gewohnheiten (die haben wir selbst gewählt) und die eigene Trägheit. Wenn wir uns das ehrlich angucken, können wir auch da entscheiden, ob wir einfachheithalber im Alten bleiben – aber dann bewusst und ohne „faule“ Ausreden oder ob wir die Anstrengung auf uns nehmen, Neues auszuprobieren, mit all der Ungewissheit die darin steckt.

Wir leben in einer Gesellschaft, die sich dem Perfektionismus und der Leistung verschrieben hat und oft nicht gut und offen mit eigenen Schwächen umgehen kann. Entweder werden sie geleugnet und überspielt oder, wenn das nicht mehr gelingt, werden „Krankheiten“ daraus gemacht.

Es ist immer wieder spannend, wie sehr es Menschen entlastet, wenn ihr Verhalten, das sie selbst ablehnen, eine Diagnose oder Zuordnung erfährt. Dann fühlen sie sich auf einmal nicht mehr als „Versager“, sondern können sich sein lassen. Wenn sie dadurch einfacher und offener durch`s Leben gehen können, freue ich mich. Aber wenn die Krankheit dann instrumentalisiert wird, um der Umwelt den eigenen Willen aufzudrücken, ist es nicht ok.

Schade finde ich es, dass so wenige Menschen sich selbst einfach annehmen können, wie sie sind. Das ist nämlich, meiner Meinung nach, der einzige Weg glücklich zu werden und in Frieden mit anderen zu leben. (Frieden heißt nicht, dass es keine Auseinandersetzungen mehr gibt, die sind wichtig! Aber es heißt, dass die Auseinandersetzungen nicht dominiert werden von unreflektierten emotionalen Befindlichkeiten, die keine Sachlichkeit und keine konstruktiven Lösungen zulassen.)

Ich habe mittlerweile verstanden, dass man sich selbst in vielerlei Richtung austricksen kann – die Psyche ist manipulierbar. Voraussetzung ist, dass man sich selbst nicht allzu ernst nimmt, sondern, wie schon geschrieben, das Leben als Spiel begreift. Man selbst ist eine Spielfigur mit gewissen Gaben und Schwächen und kann neugierig erforschen, was man mit all dem, was einen ausmacht und geprägt hat, anstellen kann, womit oder worin man die größte Lebenszufriedenheit findet.

Lasst uns mutig und neugierig spielen und forschen!

Gib dem Leben die Chance, dich jeden Moment auf`s Neue zu überraschen. Schwarz und Weiß gehören genauso zum Bunt des Lebens, wie es immer eine dritte Seite gibt 🙂

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