Das Leben – ein Mosaik

Mosaik von meiner Schwester gestaltet

In einem Gespräch mit einer Massageklientin über die Herausforderungen des Lebens sagte sie, dass sie in neuen Situationen, die überfordernd sind, sich das „Neue“ als Mosaik vorstellt. Am Anfang sieht und versteht sie nur vereinzelte Teile, die oft noch keinen Sinn ergeben oder gar verstörend wirken. Erst nach und nach entwickelt sich das Ganze zu einem Bild, das sie besser verstehen und überblicken und einsortieren kann. Mit diesem Wissen kann sie neugierig und offen – auch geduldiger bleiben. Geht nicht aus Überforderung in Ablehnung oder versinkt in Selbstzweifeln.

Das fand ich ein schönes Bild, einen schönen Umgang.

Ich musste dabei spontan an meine Erfahrung mit dem Malen denken, die für mich auch im Leben wegweisend geworden ist. Da beginne ich oft mit einer Idee und einer weißen Leinwand und der erste Strich führt in eine unbekannte Reise, die auch ganz weit entfernt von der Grundidee enden kann.

Manchmal ist es dann ein einzelner kleiner Punkt, der die schon entstandene deutliche Spannung, Lebendigkeit im Bild zerstört und sie ist nicht mehr auf dieselbe Weise herstellbar – selbst wenn ich versuche, den Punkt zu übermalen oder wegzuwischen. Das kann sehr frustrierend sein.

Als mir das das erste Mal passiert ist, sagte eine weise Künstlerfreundin: „Mal einfach an dem Bild weiter, wenn dir das passiert“. Einfach weitermalen? Ok! Und seither male ich einfach weiter und erfahre jedes Mal staunend wieviele Bilder in einem Bild entstehen und wieder vergehen. Ich genieße den Prozess, die Reise und das Endergebnis ist nur noch eine Entscheidung, die Reise an dieser Stelle zu beenden. Manchmal nehme ich sie dann doch später nochmal auf und reise noch ein Stück weiter. So lebe ich auch mein Leben. Ich male weiter, trotz Verwirrung oder Frustration, oder Traurigkeit, wenn etwas verloren gegangen ist. Gleichzeitig freue mich über jedes neues Mosaikteilchen (naja nicht jedes sofort) und staune ganz viel über das Leben und all seine Facetten.

Da fällt mir ein: Manchmal müssen meine Bilder auch in der abgeschiedenen Ecke ruhen und – das klingt sehr lustig, aber für mich ist es so – reifen. Dann hole ich sie Jahre später aus der Ecke und denke, was ein wundervolles Bild, was eine Kraft. Die war entweder vorher nicht drin oder ich konnte sie einfach nicht sehen. Wer auch immer da von uns beiden gereift ist?!

Auch wie im Leben, oder? Manche Aspekte von uns schieben wir in die Ecke und holen sie später mit ganz neuem Blick oder neuer Wahrnehmung wieder heraus und staunen. Etwas, was uns an uns oder am Leben nicht gefallen hat, kann auf einmal wunderschön und kraftvoll sein.

Kennst du das? Kannst du mit den Bildern etwas anfangen? Was sind deine Bilder oder Wege mit Überforderung und Unwegsamkeiten, Einschnitten im Leben umzugehen?

Ich freue mich, wenn du sie mit mir teilen magst.

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