Auszüge Newsletter April

Warum auch immer hatte ich vergessen, den Newsletter auch hier im Blog zu veröffentlichen. Das hole ich hiermit nach. Ich fand es selbst interessant ihn aus heutiger Sicht nochmal zu lesen. Vielleicht geht es dir ja auch so?

„Richtig und Falsch, die gibt es nicht,

die sind nur unser Götzenbild,

in ihrem Namen wird gemordet, geliebt,

sie dienen uns als Berechtigungsschild …“

Anfang eines Liedtextes, den ich vor 10 Jahren verfasst habe. Die folgenden Strophen sind unten zu lesen.

Ich habe mit dem Lied damals versucht meine eigenen Beobachtungen, Gefühle und Widersprüche zum Ausdruck zu bringen. Jede/r von uns sucht Ordnung und somit auch ein Richtig und Falsch und dennoch müssen wir uns immer wieder eingestehen, dass es das gar nicht wirklich geben kann. Es gibt letztendlich nur Entscheidungen aus dem Moment heraus, aufgrund der Informationen, Bedürfnisse und Möglichkeiten, die wir zu diesem Zeitpunkt haben. Wo die hinführen, wissen wir erst im Nachhinein. Und je nach eigener Biographie, nach eigenem Umfeld und nach eigenen Werten verändert sich die Sicht, der Blickwinkel auf das, was vermeintlich wichtig, bzw. richtig oder falsch ist.

Gerade befinden wir uns in einer diesbezüglich brisanten Zeit.

Es gibt ein großes, kollektives Richtig – der Kampf gegen den Virus – und dem werden viele andere Richtigs untergeordnet oder sogar unter Strafe gestellt.

Hier sei mal einer, der für mich essentiellen Diskussionspunkte benannt:

Im Zuge der Mitmenschlichkeit (dem Schützen der Anderen) wird Menschlichkeit verboten.

Keine Umarmungen mehr, sondern 1,5 m Abstand, Kontakt nur mit einer Person, kein Zusammensein im erweiterten Familien- oder Freundeskreis, kein Trösten durch in den Arm nehmen, kein Spielen mit anderen Kindern, … – bzw. alles oft nur heimlich, aus Angst vor Beobachtung und der Reaktion anderer (Konflikte, Denunziation und Strafe). Für einige komplette Isolation. Seit Montag kein Anlächeln mehr beim Einkaufen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln, da das mit maskenvermummten Gesichtern nicht mehr möglich ist. Mancherorts auch in der Öffentlichkeit, auf der Arbeit, in Schulen.

Keine Ende in Sicht. Die Welle kommt erst, so die Aussage der Virologen, die als Grundlage der politischen Entscheidungen herangezogen wird.

Um das Ganze krass auf den Punkt zu bringen, stell dir mal folgende Frage: Was würdest du machen, wenn ein Mensch vor dir zusammenbricht? Hilfst du ihm/ ihr, indem du hingehst oder lässt du ihn/sie liegen und wahrst Abstand aus Angst vor gegenseitiger Ansteckung?

Da stimmt für mich etwas nicht mehr.

Wie empfindest du das? Ich bin neugierig auf deine Sicht, deinen Blickwinkel und freue mich, wenn du dich mit mir austauschst.

Das Thema ist natürlich für mich besonders brisant, da mein Leben und meine Arbeit auf Kontakt, Nähe und Berührung fußt und ich gerade zuschauen muss, wie genau diese Bereiche verboten und verstört werden.

Mittlerweile regen sich ja immer mehr Zweifel an den vorgeschriebenen Maßnahmen, dem einseitigen Richtig und seinen zugrundeliegenden Thesen. Es kommt wieder Bewegung in die Menschen, es wird mehr diskutiert. Das freut mich.

 

In unserer Abenteuer-Moment Austausch-Gruppe halten wir es von Anfang an so, dass jede Meinung geäußert werden darf. Es gibt keine Zäsur. Das ist zwar immer wieder herausfordernd und emotional, aber letztlich lernen wir viel dabei. Über uns, über die anderen und darüber, dass es eben unterschiedliche Richtigs und Falschs geben kann, die alle ihre Berechtigung haben und oft sogar auf den gleichen Grundbedürfnissen und Werten fußen. Nur eben aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Wir weiten dadurch unseren Blick, bleiben verbunden und überlegen gemeinsam. Das wünsche ich mir auch in unserer Gesellschaft! Verbundenheit statt Spaltung. Mehrdimensionales Betrachten, anstatt Einseitigkeit. 

Wie siehst du das? Was ist für dich wichtig, richtig?

„Welche Wirklichkeit möchtest du?“ habe ich im vorletzten Newsletter gefragt.

Lasst uns beginnen, diese wieder mitzugestalten! 

Lasst uns uns darüber austauschen und durch die dadurch enstehende Reibung unsere eigenen Sichtweise überprüfen. Lasst uns Geduld aufbringen und Fragen formulieren, anstatt Vorwürfe. Und lasst uns uns mutig zeigen, mit dem, was in uns ist.

Viele, als solche gefühlte, Selbstverständlichkeiten sind uns erstmalig genommen. Die Normalität ist verstört. Das gibt uns die Chance -nicht nur gedanklich, sondern wirklich fühlbar – zu überprüfen, was für uns essentiell ist, notwendig ist, Wert hat und was gar nicht (so) wichtig ist.

Als mir letzte Woche wirklich richtig bewusst wurde, dass diese politisch verordneten Maßnahmen noch lange andauern können, das Ende offen ist, bin ich das erste Mal in Tränen ausgebrochen und sie kullerten den ganzen Tag. Und mit den Tränen reifte auch ein Entschluss.  Ich lasse die Vorstellung und Hoffnung los, dass es für mich eine Rückkehr zur Normalität gibt. Ich möchte die Chance, dass die mir bekannte Normalität nicht mehr existiert, nutzen, um meinen eigenen Werten auf den Grund zu gehen und anderen Menschen helfen, das auch zu tun. Damit wir aus der Starre und dem Gehorsam, aus der „Da kann man halt nichts machen, das ist halt jetzt so“ Haltung raus kommen, die uns eigentlich schon seit Jahren begleitet, lähmt und viele Dinge machen lässt, hinter denen wir nicht stehen. Wir sind die Gesellschaft! Jede/r einzelne trägt Seins dazu bei, wie es ist, ob sich was ändert oder alles einfach hingenommen wird, egal wo es hinläuft. Jetzt ist eine gute Chance etwas zu verändern! Und diese Veränderung fängt in jeder/m selbst an.

Dafür müssen wir lernen uns selbst zu verstehen, wahrzunehmen, zu kommunizieren, uns zu zeigen, für uns und unsere Sichtweisen einzustehen und dennoch offen für die Sichtweisen des Gegenüber zu bleiben, konfliktfähig zu werden, unser Richtig und Falsch als Momentaufnahme zu erkennen,  … 

Richtig und Falsch, die gibt es nicht,

es gibt nur Tun und Wirkung

alles entsteht aus dem Moment,

wird gut oder schlecht nur durch Wertung

 

Wertung ist der Feind der Welt,

der sie doch zusammen hält,

der jeden selbst zum Herrscher macht

und sich dabei ins Fäustchen lacht

 

Richtig und Falsch, die gibt es nicht,

die sind nur unser Götzenbild,

haben viele sich zum Sklaven gemacht

und manchen dem Wahnsinn nahe gebracht

 

Richtig und Falsch, die gibt es nicht,

Richtig und Falsch existiert nicht,

Mach dich frei

und sei

im Moment

mit aller Konsequenz!

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