Rückenschmerzen

Da das Thema von allen Seiten an mich herangetragen wird, habe ich beschlossen, ihm diesen Eintrag zu widmen. Ich stelle hier meine Sicht und Erfahrungen vor. Vielleicht helfen sie dem einen oder der anderen im Umgang mit den eigenen Schmerzen.Ich hatte selbst zwei Jahre lang starke Rückenschmerzen und eine Bewegungsblockade.  Ich versuche mal meine Phasen des Umgangs damit auseinander zu dröseln 🙂

Die erste Phase bestand aus Ignorieren. Wird schon von selbst wieder weg gehen. Tat es aber nicht.  Ich konnte mich fortan nicht mehr einfach nach vorne runter beugen, da ich mitten auf dem Weg blockierte. Für den Alltag bedeutet das z.B. das Hose anziehen, Schuhebinden auf einmal eine Herausforderung wurde.

Jetzt habe ich den Vorteil, auch durch das Yoga, recht gelenkig zu sein und da der Rücken nicht mehr runter konnte, mussten die Füße also hoch.  Das ging.

Da ich auch unter Allergie litt und dadurch immer wieder nießen musste, schoss es mir dabei zunehmend schmerzhaft in den Rücken. Kein Spaß! Und dann kam dazu, dass ich nachts bei jedem Drehen die Zähne zusammen beißen musste.

Irgendwann realisierte ich, dass Ignorieren nicht helfen würde. Der Schmerz und die Blockade waren etabliert. Also umdenken. Ich holte mir hier und da  Rat, versuchte es mit Osteopathie, hatte aber bei allem das Gefühl nicht an die Ursache heran zu kommen.

Dann fing ich an mich zu beobachten. Durch das Yoga konnte ich die Blockade „durchatmen“. Sprich ich habe mit der Atmung den blockierten Bereich zum Loslassen gebracht und konnte mich dann zum Boden beugen. ABER sobald ich wieder oben war und mich erneut vorbeugte, war die Blockade wieder da. Jedes Mal. Fazit:  Es liegt nicht an der Beweglichkeit.  Da ich die Blockade „durchatmen“ kann, liegt keine wirkliche Bewegungseinschränkung vor, bei der ich etwas kaputt mache, wenn ich weiter hineinwirke. Gut.

Die nächste Frage die sich stellte war, ob es an mangelnder Muskulatur liegt und so begann ich ein sanftes Rückentraining „Gymnastik für die Wirbelsäule“ von Gabriele Dreher-Edelmann.

Das Training wirkte sich weder positiv noch negativ auf meine Schmerzen aus. Aber es wirkte vielschichtig stärkend auf den gesamten Rücken. Ich nahm noch andere Programm hinzu und die Stabilität wuchs. Jetzt war  ich sicher, dass es auch nicht an mangelnder Muskulatur liegen konnte. Was nun?

Da ich sicher war, dass mein Körper eigentlich soweit in Ordnung ist, kam ich auf die Idee, dass es eine mentale Blockade ist. Und so begann ich meine Vorsicht aufzugeben und mich trotz Schmerzen wieder ganz normal zu bewegen. Stellte erstaunt fest, dass Joggen mir gut tat und half, die Muskulatur zu lösen.Dennoch blieb die Blockade.

Das Zusammenziehen der Muskulatur war, warum auch immer, zur Gewohnheit geworden, die für mich keinen verständlichen Sinn hatte.

Ich forschte weiter, wie ich die Muskultur immer wieder weich machen konnte; wie ich im Alltag durch einerseits dehnen und aktive Aufrichtung und andererseits Entspannung, den unteren Rücken entlasten konnte. Und so bauten sich langsam neu Möglichkeiten in mir auf. Ich fand in eine neue Aufrichtung, trainierte diese – der Schmerz war der Trainer – bis ich sie wirklich verinnerlicht hatte.

Gleichzeitig lernte ich immer differenzierte loszulassen und kann seitdem verschobene Wirbel oder mein sich immer wieder verkanntendes Kreuzbein durch minimale Dehnung und Atmung wieder in die richtige Position bringen.

Und dann waren die Rückenschmerzen, samt Blockade auf einmal weg.

Rückblickend haben mir die Schmerzen geholfen aus langjährig etablierten,  „ungünstigen“  (Bewegungs-) Gewohnheiten herauszufinden und sie durch neue zu ersetzen.

Mittlerweile bin ich an dem Thema dran, dass ich glaube, dass auch das Wirbel wieder reinrutschen lassen, eine liebgewonnene Gewohnheit geworden ist – da es so befriedigende Gefühle auslöst. Allerdings keine auf Dauer sinnvolle. Ich mache mich jetzt auf den Weg die Stabilität wieder zu finden und aufzubauen, die das Verschieben der Wirbel vemeidet.

Ich beobachte immer genauer, was das Verrutschen auslöst und werde mich wohl noch von weiteren liebgewonnenen z.B. Sitz-Gewohnheiten übergangsweise verabschieden.

Letztendlich ist mein Ziel meinen Körper und auch den Geist so frei wie möglich bewegen zu können und das erfordert immer wieder ein Hinterfragen und Loslassen von ungünstigen Gewohnheiten.

Und genau das versuche ich in meinem Yogaunterricht weiter zu geben.

90 Minuten Achtsamkeit sich selbst und seinem Körper gegenüber ist ein guter Anfang.

Es geht mir darum einen Raum der Selbstwahrnehmung zu schaffen, in dem sowohl Entspannung und Loslassen geübt wird, als auch Aufrichtung und Stabilität. Ein Raum in dem jede/r sich die Zeit nehmen kann den eigenen Körper und die eigenen Gewohnheiten zu erforschen. In dem, im schönsten Fall, eine zunehmende Sensibilität für sich selbst entsteht und sich dadurch neue Handungsspielräume  – seien es mentale oder körperliche – öffnen.

Ein für mich ebenfalls sehr wichtiger und hilfreicher Aspekt ist Berührung. Wenn man selbst aus seinen Spannungsmustern nicht mehr heraus findet, kann es ungemein hilfreich sein von jemand anderem achtsam berührt zu werden. Die Berührung kann in tiefes Entspannen und Loslassen führen und damit die Basis schaffen, von der aus man überhaupt ins Handeln finden kann. Und manchmal, das sei auch ehrlich gesagt, führt sie auch erst in den Schmerz, die Ängste, bevor das Loslassen möglich ist.

Liebevolle Berührung hat für mich etwas sehr Heilsames. Da muss man gar nichts tun, sondern darf geschehen lassen – sich nähren, entspannen,  sich selbst neu und anders wahrnehmen, staunen. Das ist der Grund, warum ich auch immer Berührungsübungen in den Yogaunterricht integriere und warum ich voller Begeisterung Massagen anbiete.

 

 

2 Gedanken zu „Rückenschmerzen“

  1. Wow, liebe Kerstin, das ist ein langer Weg zur Schmerzfreiheit, aber ermutigend, weil so alles an mir in mir mit ein beziehend! Habe Lust auf Gedankenaustausch!
    Herzlich, Martina

  2. Liebe Kerstin,
    vielen lieben Dank für deine öffentlichen Gedanken zum Thema Rückenschmerzen.Ich mache ähnliche Erfahrung mit meinem Körper mit anderen Beschwerden. Das was wir in jahrelanger Auseinandersetzung mit uns selbst machen ist für viele Menschen nicht spürbar und sie brauchen Begleitung. Mit Shiatsu begleite ich viele solcher Menschen und doch fehlte mir manchmal die Möglichkeit des gemeinsamen regelmäßigen Übens. Vielleicht sollten wir uns mehr vernetzen. Ich würde gerne ein paar Leute zu dir schicken. Du machst genau das was im Yoga, was mir am Herzen liegt.
    Fühl dich umarmt
    Stephanie

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