Newsletter Mai/ Juni

„Nicht zu verzeihen ist, als ob man Rattengift trinkt – und dann darauf wartet, dass die Ratte stirbt“          (Anne Lamott)

Dieses Zitat bringt für mich die Dynamik des „Nicht-Verzeihens“ sehr provokant auf den Punkt. Nicht verzeihen heißt, man hält die Wunde, die durch eine Erfahrung entstanden ist, bewusst offen und bohrt im schlimmsten Falle immer wieder darin herum. So kann die Wunde nicht heilen und zieht dauerhaft Energie.

Wie entstehen solche Wunden?

Durch Situationen…

– in denen uns etwas für uns Selbstverständliches genommen oder vorenthalten wird

– in denen wir mit etwas für uns Unbequemem/Bedrohlichem/ Verstörendem konfrontiert werden

– in denen wir uns als handlungsunfähig und ausgeliefert wahrnehmen

– die uns unsere Verwundbarkeit ins Bewusstsein holen

– die eine ganze Palette von Emotionen freisetzen, von Hilflosigkeit, Angst, Wut, Traurigkeit, Wundfühlen, Überforderung, Einsamkeit, … denen wir erstmal wenig entgegen zu setzen haben.

Kein Zustand, den jemand freiwillig sucht. Und dennoch, ob wir das wollen oder nicht, ein ganz normales Phänomen des Lebens.

Was passiert beim Nicht-Verzeihen?

Wir halten die, durch die Situation ausgelösten Gefühle bewusst am Leben (Trinken des Rattengifts), weil wir auf Wiedergutmachung hoffen. Wir wollen Ausgleich, Gerechtigkeit, eine öffentliche Entschuldigung. Wir halten uns dadurch aber weiter in der Abhängigkeit zu dem/der oder denjenigen, die das Ganze ausgelöst haben. Um diese Abhängigkeit, die auch das Gefühl des Ausgeliefertsein am Leben erhält, erträglicher zu machen, spielen wir mit Rachefantasien – wollen wir die Ratte genauso leiden oder gar sterben  sehen.

So kann die Wunde nicht heilen.

Eine meiner Thesen ist, dass dem Verhalten eine tiefer liegende Sehnsucht zugrunde liegt. Die Sehnsucht wieder zurückzufinden in einen Heilewelt-Zustand, in dem so etwas nicht passieren kann. Alles soll wieder gut sein.

So sehr ich diesen Wunsch verstehen kann – wer wünscht sich das nicht manchmal 😉 ist die Welt und das Leben nicht so. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen und das Geschehene ungeschehen machen.

Ich begreife das Leben als einen Erfahrungs- und Lernweg, der immer wieder herausfordert und auch überfordert, damit wir über uns hinauswachsen können.

Damit wir an so einer Erschütterung, die uns das Verzeihen schwer macht, wachsen können, braucht es als erstes die Einsicht und Akzeptanz, dass solche Situationen normaler Bestandteil des Lebens sind. Dass es nicht darum geht, solche Situationen zu vermeiden, sondern mit ihnen umgehen zu lernen. Und dann gilt es den eigenen Handlungsspielraum auszubauen, Kompetenzen zu entwickeln, über uns hinauszuwachsen.

Und wir müssen uns selbst verzeihen, dass wir in den Situationen nicht für uns sorgen, uns nicht genügend schützen konnten. Das ist auch ein Aspekt, der angeschaut werden sollte. Ich glaube, dass das letztlich die tiefere Wunde ist. Wir haben ein Stück des Glaubens an und Vertrauen in uns selbst verloren und die Verzweiflung darüber kanalisieren wir in Form von Wut auf den Auslöser der Situation.

Die Lösung ist, meiner Meinung nach, alleine in uns selbst zu finden.

Durch das Erweitern unserer Sichtweise auf das Leben, das Lernen neuer Handlungsstrategien und Kompetenzen, stellen wir uns unserer Verletzlichkeit, setzen uns mit ihr auseinander und gewinnen nach und nach das Vertrauen in uns selbst zurück. Wir lernen, wie wir  die Wunden, die uns das Leben zufügt, gut versorgen können. Im schönsten Falle helfen sie uns über uns selbst hinauszuwachsen – auch wenn die ein oder andere Narbe bleibt.

Vielleicht konntest du hier ein paar für dich neue oder überlegenswerte Gedanken finden. Das würde mich freuen. Wenn du Fragen hast, frag und falls du Unterstützung brauchst bei deinem eigenen Weg des Verzeihens, kannst du gerne einen Termin für einen  „Raum zum Sein“ mit mir ausmachen.

Im Mai/ Juni gibt es folgende Gruppen-Angebote, um deine Sinne zu öffnen und ganz in den Moment einzutauchen:

Freude am Singen

am 1.6. gibt es wieder die Gelegenheit deine Freude am Singen aufleben zu lassen. Das Singen findet bei mir zuhause statt.

Wir singen Lieder im Mantren-Stil. Sprich, kurze Lieder aus aller Welt, die mehrfach wiederholt werden und dadurch das Mitsingen und Reinfinden erleichtern.

Du bist genauso willkommen, wie du bist! Jede Stimme, egal ob sie dieselben Töne singt oder nicht – bereichert das Miteinander. Falls du einen Tee für die Allgemeinheit mitbringen magst, gerne.

Beginn 20:00 Uhr (ca. 1,5 – 2 Std.) 5,- €

Anmeldung bis 18:00 Uhr am Vortag!

 

Yoga-Wanderungen

am Pfingstmontag 21.5. und am Sonntag 3.6. gibt es die Gelegenheit mit auf eine Yoga-Wanderung zu kommen.

Lust auf: Eintauchen in die Natur, bewusstes Gehen, tiefes Durchatmen, öffnen der Sinne und der Wachheit für den Moment, Yoga-Übungen auf dem Weg, Meditationen, kleine Impulse zu verschiedenen Streckenabschnitten? Dann komm doch einfach mit!

Beginn  9:00 Uhr (ca. 2 3/4 Std.)  12,- €

im Haubental bei Wörsdorf

Anmeldung bis 18:00 Uhr am Vortag!

 

Falls du Lust hast, dich mal wieder liebevoll verwöhnen zu lassen, deinem Körper Gutes zu tun, deine Seele streicheln zu lassen, dann komm doch zu einer Massage.

Und falls du für die Sommerpause ein individuelles Yoga-Programm möchtest, komm zum Yoga-Einzelunterricht und wir erarbeiten gemeinsam eine Abfolge, die du selbständig üben kannst.

Einfach einen Termin vereinbaren (06126-584669 oder per Mail)

 

Jetzt zur diesjährigen Sommeraktion:

„30 Tage unterwegs – Wir berühren Menschen“

Dieses Jahr werde ich mit meinem Freund Bernd durch Deutschland,  die Schweiz und evt. Österreich reisen. Wir stellen uns mit unseren Massagestühlen an öffentliche Orte und laden Menschen kostenlos auf eine „Berührungszeit“ ein. In der Form engagieren wir uns für mehr Offenheit, Begegnung, Verbindung in unserer Gesellschaft. Berührung verstehen wir als universelle Sprache, die Brücken bauen kann, wenn Worte fehlen.

Wir machen immer mal wieder Aktionen mit unserem Verein Wundertüte Berührung. Falls du neugierig bist und mehr erfahren möchtest, schau doch mal auf unsere Homepage www.wundertuete-beruehrung.de  Dort werden wir auch unsere 30 Tage zeitnah dokumentieren.

Und falls du Lust hast, die Aktion zu unterstützen – wir suchen noch Aktionsorte und Übernachtungsmöglichkeiten, vor allem in Nord- und Ostdeutschland. Mehr dazu auf obiger Homepage.

Wir sind schon voller aufgeregter Vorfreude 🙂

Herzliche Grüße

Kerstin

Information:

Alle Worte, die in diesem Newsletter unterstrichen sind, sind Links. Wenn du auf sie klickst, kommst du direkt auf die Homepage zu den entsprechenden Informationen.

 

Übung zur Selbstwirksamkeit 2

Vielleicht hast du die Übung des letzten Newsletters ausprobiert? Wie ist es dir damit ergangen? Falls nicht, kannst du sie HIER nochmal finden und vielleicht erstmal als Vorübung für diese differenziertere Form ausführen.

In dieser Übung geht es darum, sich verschiedene Bereiche im Leben anzuschauen und die Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was uns gelingt, zufrieden macht. Sehr viele von uns haben gelernt den Fokus auf das zu legen, was nicht klappt, auf unsere „Fehler und Schwächen“. Das führt häufig zu einer Selbstvorwurfsspirale. Wir genügen uns nie und beginnen uns in Teilen selbst abzulehnen.Dabei entsteht ein Klima in uns, das Wachstum schwer macht, in dem wir die Tendenz haben uns zurückzuziehen, zu „verstecken“.

Diese Übung dient dazu  unseren Fokus zu verschieben. Was uns gut gelingt, leicht ist und befriedigend, nehmen wir oft als selbtverständlich und schenken ihm wenig Aufmerksamkeit. Das ist ein Fehler. Werden wir uns unseres Könnens bewusst, unserer Zufriedenheit und Leichtigkeit in manchen Situationen, wirkt sich das positiv auf unser Selbstwertgefühl aus und es entsteht ein Klima, in dem Wachstum, Entwicklung möglich ist, in dem Offenheit und Neugier an Raum gewinnen.

Wie funktioniert die Übung?

Es geht darum an drei aneinanderfolgenden Tagen verschiedene Bereiche in deinem Leben zu beleuchten mit dem Fokus auf das Gelingende, Freudvolle, Leichte. Ob du alle Bereiche zur gleichen Zeit anguckst oder jedem Bereich drei Tage widmest, ist dir überlassen. Deine Beobachtung schreibst du auf, damit du sie am Ende nochmal nachlesen kannst. Machst du es nur im Kopf, wirst du Vieles – wie du es gewohnt bist – schnell wieder vergessen und dadurch nicht dieselbe Wirkung erzielen.

Unser Leben setzt sich aus verschiedenen Bereichen zusammen. Die Zusammensetzung kann bei jedem/r unterschiedlich aussehen und deswegen sind die hier aufgezählten Bereiche nur Vorschläge, die du beliebig erweitern oder verändern kannst.

Schreibe genau auf, was dir an den drei Tagen gelungen ist, dich zufrieden gemacht hat oder dir leicht fiel. Das müssen keine großen Dinge sein. Beispiele. „Ich konnte meinen Kaffee richtig genießen“ „Ich habe mir beim Spülen Meditationsmusik angemacht und mich dann ganz im Tun entspannt“  „Ich bin heute 5 Minuten früher losgefahren und hatte dadurch Zeit in Ruhe anzukommen“ „Mir fiel es leicht Ordnung zu schaffen“

Und hier Ideen für Bereiche:

Beziehungen – Familie, Freunde, Partnerschaft

Kontakt allgemein

Beruf 

Alltagarbeiten zuhause

Selbstfürsorge/ Gesundheit

Freizeit

Lernen/ Reflektieren/ Wachstum

Handeln nach eigenen Werten

Glaube/ Spiritualität/ Sinnhaftigkeit

Manche Themen überschneiden sich, da wähle einfach frei, wo du die Tageserfahrung einsortieren möchtest. Und falls dein Kopf bei allem, was du aufschreibst ein „aber“ anfügt, ignoriere ihn lächelnd und fokussiere dich weiter auf das Gelungene, Freudvolle, Leichte und schau, was das mit deiner Stimmung macht. Es geht hier nicht darum eine rosa Brille aufzuziehen, sondern den Blick auf unser eigenes Tun zu vervollständigen, die Früchte, die es hervorbringt auch bewusst zu ernten und dadurch eine gute Basis für weiteres Wachstum zu schaffen.

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